Sind Sie Optimist, Herr Kettnaker?

Ein Gespräch mit Frank Kettnaker, Vorstandsmitglied Vertrieb und Marketing bei der ALH Gruppe, über die Branche in 10 Jahren, die Bedeutung von visionärem Denken und die Kraft des Vertrauens.

Frank Kettnaker ist Vorstandsmitglied Vertrieb und Marketing bei der ALH Gruppe. Mit regelmäßigen Einblicken in seinen Arbeitsalltag, seinem Videoblog #nachgefrankt, mitunter nachdenklichen Texten zu Themen wie mentale Gesundheit, das Alleinsein oder das Verlassen der Komfortzone wandelt er mit einer immer größer werdenden Followerschaft das Bild der Branche.

Neue Wege gehen, der Blick über den Tellerrand – Das verbindet Frank Kettnaker mit dem von Plansecur initiierten Vordenker Forum, dass die ALH Gruppe als Kooperationspartner unterstützt. Wir haben ihn gefragt: Wie arbeiten wir in der Finanzbranche in 10 Jahren? Welche langfristigen Veränderungen müssen wir unbedingt im Blick behalten? Und wie überzeugt man Menschen von guten Ideen? Antworten aus einem spannenden Gespräch mit einer der interessantesten Persönlichkeiten unserer Branche.

Manchmal treffen wir auf Menschen, sei es in Geschichtsbüchern, im Zeitgeschehen oder im eigenen Umfeld, die unseren Horizont erweitern und uns vielleicht sogar eine neue Richtung in unserem Leben einschlagen lassen. Welche Menschen haben Sie geprägt, Herr Kettnaker?

Frank Kettnaker: “Oh, da fallen mir spontan drei Personen ein. Als Erstes Hans-Rolf Eufinger, mein Ausbildungsleiter der Colonia 1985. Er setzte den letzten Schliff an, um aus uns Jugendlichen arbeitende Erwachsene zu machen. Er hat uns wertgeschätzt und auf Augenhöhe behandelt. Beruflich ebenso eine zweite Person, Dr. Hartmut Nickel-Waninger, mein damaliger Vorstandsvorsitzender, der neben seiner Rolle im Unternehmen ein toller Mensch ist und für die Belange jeglicher Mitarbeiter immer ein offenes Ohr hatte, vor allem auch für neue Ideen. Der dritte Mensch im privaten Umfeld ist ein ehemaliger Klassenkamerad Michael Schmidt, der bei einem Motorradunfall beide Beine verloren und sich ins Leben zurückgekämpft hat.”

 

Warum ist Ihnen das Vordenker Forum wichtig?

Frank Kettnaker: “Vordenken ist für mich einer der wichtigsten Skills für Menschen, die strategische Entscheidungen treffen. Vorzudenken, Visionen zu haben und die daraus resultierenden Handlungsfelder abzuleiten schafft Zukunft. Man kann von solchen Menschen sehr viel lernen und „out of the box“ zu klettern und sich mit anderen Zukunftssichten zu beschäftigen schafft neue Kreativität und Innovation.”

In unserer Branche, im Versicherungs- und Finanzbereich, gestalten Sie mit der ALH Gruppe die Zukunft mit. Welche langfristigen Veränderungen in der Branche sollten wir unbedingt im Auge behalten, und welche Herausforderungen kommen auf uns zu?

Frank Kettnaker: “Die Digitalisierung und die veränderten Kundenerwartungen, die daraus entstehen, werden unsere Geschäftsmodelle sehr stark beeinflussen. Der Zeitzyklus von wesentlichen Veränderungen wird immer kürzer und die Folge der Veränderungen immer weitreichender und komplexer. Diese Herausforderung meistern vor allem Vordenker. Das Zweite ist, dass unsere Branche von der qualitativen Beratung lebt. Die Anforderung an eine qualitative Beratung steigt stetig an und setzt hohe Ansprüche an die Beraterinnen und Berater. Diese müssen gefunden, zielgerichtet ausgebildet, weiterentwickelt und unterstützt werden, ansonsten wird eine qualitative Beratung in 2030 Mangelware sein.”

Persönliche Finanzberatung wird es also auch in 10 Jahren noch geben von Mensch zu Mensch?

Frank Kettnaker: „Ja, es wird sie geben, aber es wird bedingt durch demographische Entwicklung, Fachkräftemangel, kaum zu händelnder Bürokratie und fehlender Wertschätzung unseres Berufstandes aus der Gesellschaft nicht einfach sein, eine hochqualitative Finanzberatung zu bekommen. Ich kann nur vor dieser Entwicklung warnen. Jemand der sich ohne entsprechende Finanzbildung im Internet etwas zusammenbaut, wird in der Regel enttäuscht. Dann ist es leider zu spät. Ich zolle jedem Berater in unserem Business höchsten Respekt vor seiner Tätigkeit.”

Sind Sie Optimist?

Frank Kettnaker: “Oh ja, ich würde sagen ich bin die Inkarnation des Optimismus. Ich bin ein Chancenfinder und kein Problemsucher. Ich schenke den Menschen mein Vertrauen, dies muss nicht erarbeitet werden. Mein Glas ist immer halb voll, nie halb leer. Wenn der Wind heftig weht, baue ich Windmühlen und keine Mauern. Dabei stoße ich manchmal auf eine Schwäche: Geborene Optimisten übersehen manchmal ein Risiko. Wenn man sich dessen bewusst ist, muss man diese Schwächen durch jemand anderen ausgleichen. Deshalb gibt es in meinem Verantwortungsbereich auch Risikomanager.”

Vordenken heißt manchmal auch, andere von einer Idee erst überzeugen zu müssen. Gute Ideen können unpopulär sein. Gab es in Ihrem Leben einen Moment, in dem Sie fest von einer Idee überzeugt waren, an die niemand anders geglaubt haben?

Frank Kettnaker: “Und ob, es war glaube ich 2002, da haben wir noch ca. 20.000 Disketten mit Programm-Updates ca. vier Mal im Jahr an unsere Vermittler geschickt. Die Entwicklung von sogenannten API-Schnittstellen, ließ aber eine Selbstabholung mit Eigeninstallation zu. Diese Entwicklung wollte ich im Vertrieb einführen, denn es war ressourcensparend und viel effektiver. Zwei Jahre lang wurde ich dafür als Persona non grata geächtet. Wir haben weiter daran gearbeitet und ich konnte die Skeptiker überzeugen. Wiederum zwei Jahre später war die Diskette das, was heute eine VHS-Kassette ist 😉”

Es dürfte etliche gute Ideen und innovative Denkweisen geben, die uns entgehen, weil sie kein Gehör finden. Was würden Sie Menschen mit auf den Weg geben, die etwas verändern möchten? Oder: Wie wird man überzeugend, Herr Kettnaker?

Frank Kettnaker: “Die eigene Überzeugung und dafür einzustehen ist natürlich die Grundvoraussetzung. Die inhaltliche und fachliche Auseinandersetzung mit einem Thema, also echt tief reinarbeiten, ist genauso wichtig. Jetzt die entscheidende Zutat… es gibt für neue Ideen immer Kritiker. Diese gilt es im Vorfeld zu identifizieren und sich mit möglichen Gegenargumenten auseinanderzusetzen und zwar aus deren Sicht. Ich meine Perspektivenwechsel, den Stuhl des Anderen einnehmen. Den Kritiker ernst nehmen und ihm auf Augenhöhe begegnen. Der risikoaffine Mensch nennt zu Recht Risiken oder Bedenken. Auf diese Diskussion muss ich vorbereitet sein. Diese Menschen glauben nicht daran, ein Risiko zu eliminieren, aber es in einem Maße zu verringern und zu berücksichtigen. Zahlenorientierten Menschen brauche ich nicht mit Softskills zu kommen, sondern Berechnungen bezüglich Kosten/Nutzen überzeugen diese. Wenn ich die Gegenwehr Anderer als Perspektivenwechsel, Hilfe und Interesse sehe, entwickelt sich aus der Skepsis ein echter Wert und eine tolle Chance! Anstrengend, aber nachhaltig. Wenn der Skeptiker zum Fan wird… Dann habt ihr es geschafft!”

Vielen Dank für das Interview, Herr Kettnaker!

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